Wie hat sich der Leutkircher Gemeinderat in Sachen Sanierung „Bahnhofsempfangsgebäude“ entschieden?

Der Leutkircher Gemeinderat hat sich bei seiner Sitzung am 27.09.2010 mit einer deutlichen Mehrheit von 24 Ja-Stimmen (10 Nein-Stimmen, 2 Enthaltungen) für das Konzept „Bürgerbahnhof" entschieden. Aus allen sechs im Gemeinderat vertretenen Fraktionen gab es Stadträte, die mit Ja für das Modell Bürgerbahnhof gestimmt haben.

Der Gemeinderatsbeschluss lautet wie folgt:

  • Der Gemeinderat stimmt als Folgenutzung für das Bahnhofshauptgebäude dem Modell „Bürgerbahnhof" zu.
  • Der Gesellschaft, die das Modell „Bürgerbahnhof" umsetzt, soll ein Erbbaurecht auf 99 Jahre am Grundstück eingeräumt werden.
  • Mit der Gesellschaft, die das Modell „Bürgerbahnhof" umsetzt, soll eine Modernisierungsvereinbarung über die Sanierung des Bahnhofshauptgebäudes abgeschlossen werden. Die Stadt beteiligt sich im Rahmen des Abschlusses einer Modernisierungsvereinbarung mit bis zu 50 % an den Sanierungskosten. Der Kostenanteil der Stadt wird im Rahmen der Förderung durch das Landessanierungsprogramm zu 60 % vom Land bezuschusst.
  • Die Verwaltung wird ermächtigt, mit der Gesellschaft, die den Bürgerbahnhof umsetzt, die notwendigen Verträge (z.B. Erbbaurechtsvertrag, Modernisierungsvereinbarung) für eine erneute Beratung im Gemeinderat vorzubereiten.

 

Was ist in der Zeit vom 21.06. bis 27.09.2010 geschehen?
Wir haben uns mit verschiedenen Multiplikatoren aus verschiedensten Bereichen zusammengesetzt und Kompetenz-Teams für einzelne Aufgabenstellungen gebildet.

Es gibt folgende Teams:

  • Finanzen, Steuern, Rechtliches
  • Planung, Handwerk, Sanierung
  • Werbung, Design, Presse
  • Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederwerbung, Veranstaltungen

Diese Teams treffen sich unabhängig voneinander und arbeiten ehrenamtlich ihre Aufgabenstellungen ab. Unter anderem gab es Gespräche und Kontakte mit der Stadtverwaltung, den Banken, dem Landesdenkmalamt, mit der Deutschen Bahn, mit Pachtinteressenten für die Gastronomie und mit Handwerkern. Aufgrund der Urlaubszeit dauert manche Angelegenheit länger als erhofft. Wir stoßen aber überall auf sehr offene und konstruktive Gesprächspartner. Es macht den Eindruck, dass viele Leutkircher an einem Strang ziehen.

Info-Veranstaltungen für Interessierte
Ab Ende August 2010 wurden in der Kernstadt und auf den Ortschaften ein paar Infoveranstaltungen für interessierte Bürger und Unternehmer veranstaltet, die Interesse daran hatten sich der geplanten Genossenschaft anzuschließen. Termine wurden rechtzeitig über die Presse und hier auf der Homepage bekanntgegeben.

Wie geht es weiter?

Die Architekten ermitteln im Moment die Baukosten, sondieren das Bahnhofsgebäude auf die Sanierungspunkte und überplanen die Räume für eine spätere Verpachtung. Das Team Finanzen arbeitet eine Satzung für die Genossenschaft aus, erstellt einen Finanzierungsplan und klärt rechtliche Fragen. Das Werbe-Team erstellt Prospekte, einen Internetauftritt und ist mit der Presse im Gespräch. Das Team Öffentlichkeitsarbeit bereitet öffentliche Auftritte und Versammlungen vor.

Wie soll die Idee „Bürgerbahnhof“ in der relativ kurzen Zeit bis Mitte September 2010 in der Bevölkerung bekannt gemacht werden?

Derzeit sind wir dabei Multiplikatoren aus Leutkirch und seinen Ortschaften als Projekt-Botschafter für den Bürgerbahnhof zu gewinnen. Die Projekt-Botschafter erhalten Zugang zu umfangreichen Informationen über den Bürgerbahnhof. Dank dieser Informationen können die Projekt-Botschafter aufkommende Fragen innerhalb der Bevölkerung schnell und direkt beantworten. Bis dato haben sich über 50 Bürger bereit erklärt Projektbotschafter für den Bahnhof zu machen. Die Botschafter finden Sie auf dem Internetauftritt unter „Die Botschafter".

Ferner wird der Initiativkreis Bürgerbahnhof auf dem Wochenmarkt und auf verschiedenen Info-Abenden in Leutkirch und seinen Ortschaften die Idee Bürgerbahnhof Interessierten vorstellen.

Warum wurde die Gesellschaftsform der Genossenschaft gewählt?

Die Genossenschaft ist eine demokratische Gesellschaftsform. Jedes Mitglied hat eine Stimme – unabhängig von der Höhe der Kapitalbeteiligung. Dies schützt vor der Dominanz Einzelner und sichert die Unabhängigkeit von externen Interessen.

Die Genossenschaft ist eine flexible und stabile Rechtform. Ein- und Austritt von Mitgliedern sind problemlos ohne notarielle Mitwirkung oder Unternehmensbewertungen möglich. Mitglieder einer Genossenschaft haften nur mit ihrer Kapitalbeteiligung. Mitglieder einer Genossenschaft haben beim Ausscheiden einen Anspruch auf Rückzahlung ihres Geschäftsguthabens gegen die Genossenschaft.

Die Genossenschaft ist aufgrund der internen Kontrolle durch ihre Mitglieder und die unabhängige Prüfung durch den Genossenschaftsverband die mit weitem Abstand insolvenzsicherste Rechtsform in Deutschland.

Die Energiegenossenschaft Leutkirch hatte sich bei ihrer Gründung 2009 z.B. unter anderem auch wegen der oben aufgeführten Gründe für diese Gesellschaftsform entschieden.

Nachschusspflicht
Eine Nachschusspflicht wurde in der vorbereiteten Gründungssatzung ausgeschlossen. Sprich wenn die Gründungsversammlung die Gründungssatzung annimmt, dann ist eine Nachschusspflicht ausgeschlossen.

Im Übrigen ist uns das Motto der Genossenschaften sehr nahe: "Was einer alleine nicht schafft, schaffen viele zusammen gemeinsam!"

Wann kann die Leutkircher Bürgerbahnhof Genossenschaft gegründet werden?

Gesetzt den Fall, dass der Initiativkreis Bürgerbahnhof bei der Gemeinderatssitzung im September 2010 die erforderlichen Eckdaten erfüllt, kann eine Gründung der Genossenschaft gleich Anfang Oktober 2010 stattfinden.

Gibt es auch Argumente, die für die Etablierung einer besonderen Gastronomie im Bahnhofsempfangsgebäude im Hinblick auf die Eröffnung eines Center Parcs sprechen?

Aller Voraussicht nach wird im Urlauer Tann im Frühjahr 2015 ein Center Parcs mit 800.000 prognostizierten Gästeübernachtungen eröffnen. Das Center-Parcs-Konzept strebt zwar an, die Gäste möglichst lange innerhalb des Parkgeländes zu halten, aber die Realität zeigt, dass fast jeder Center-Parcs-Gast während seines Aufenthalts auch Ausflüge außerhalb der Ferienanlage unternimmt. Wohin diese Ausflüge gehen, entscheidet sich meist an der Attraktivität des Ausflugszieles und an der Mundpropaganda innerhalb des Ferien-Parks.

Unternimmt der Center-Parcs-Gast einen Ausflug mit dem Fahrrad, ist die Chance, dass er nach links in Richtung Isny, Kreuzthal, Badsee, Adelegg, usw. abbiegt sehr hoch. Er wird in erster Linie die Natur im Allgäu suchen. Wir Einheimischen radeln und wandern zu einem großen Teil meist auch eher in Richtung der oben erwähnten Gebiete. Sprich in die südliche Himmelsrichtung.

Erst in zweiter Linie wird den Center-Parcs-Gast das Thema Stadtspaziergang, Ladenbummel oder Café-/Restaurantbesuch interessieren. Wenn der Center-Parcs-Gast im Auto sitzt ist es für ihn - nachdem er bei seiner Anreise meist mehrere Hundert Kilometer fahren musste - keine weite Entfernung nach Wangen in den Fidelisbäck oder nach Lindau in die Cafes im malerischen Hafen. Dank der fertig gestellten A 96 ist Wangen nur noch ungefähr eine Viertelstunde entfernt und in Lindau ist man in einer guten halben Stunde.

Hier an dieser Stelle müssen wir uns in Leutkirch kritisch hinterfragen lassen, ob wir einen touristischen Anziehungspunkt in der Stadt haben, der aus Sicht eines Urlaubers (wohlgemerkt eines Urlaubers) z.B. mit dem Fidelisbäck und dem Lindauer Hafen mithalten kann. Wir haben eine schöne Altstadt. Wir haben einen funktionierenden Einzelhandel mit gut geführten Familienbetrieben. Wir haben schöne und gutgeführte Cafés und Restaurants in der Innenstadt und auf den Dörfern. Doch nicht nur Tourismus-Experten sagen, dass eine schöne Altstadt nicht ausreichen wird, wirklich interessant für die Ausflügler zu sein. Wir sollten den Center-Parcs-Gästen und allen anderen Urlaubern auch etwas Besonderes bieten. Ein historisches Bahnhofsgebäude mit einer zünftigen Wirtshausbrauerei und einem herrlichen Biergarten könnte ein erster Anziehungspunkt sein. Wir müssen die Gäste mit einem Schmankerl nach Leutkirch reinlocken. Dann haben wir auch die Chance, dass unsere Gäste all die anderen guten Angebote im gastronomischen Bereich in unserem Leutkirch wahrnehmen und weiterempfehlen. Ausdrücklich wollen wir an dieser Stelle betonen, dass es in Leutkirch und Umgebung gute Angebote im gastronomischen Bereich gibt, die es Wert sind dort einzukehren. Dennoch glauben die Initiatoren des Bürgerbahnhofs, dass ein Besuchermagnet wie es Gastronomiebetriebe in alten Bahnhöfen oft sind, nicht schaden kann, sondern vielmehr sogar von Nutzen für die anderen Gastronomen sein wird.

Mit der Auffrischung unserer Stadt erst dann zu beginnen, wenn der Center Parcs eröffnet hat, ist keine gute Idee. Unsere Nachbarstädte Isny und Wangen sind uns im Bereich Tourismus und Tagesausflüge bekanntlich um Jahre voraus. Laufen Sie mal an einem Mittwoch- oder Donnerstagnachmittag oder an einem Samstagmorgen durch die Altstadt von Wangen. Anschließend fahren Sie zurück nach Leutkirch und begeben sich in unsere Innenstadt. Diesen Unterschied innerhalb von einem Nachmittag zu erleben öffnet die Augen. Die deutlich höhere Besucherfrequenz in Isny und vor allem Wangen ist offensichtlich.

Ein restaurierter und wiederbelebter Bahnhof wird aber nur ein Baustein sein im Hinblick Leutkirch fit für die Zukunft zu machen. Es bedarf ganz gewiss noch größerer Anstrengungen unser Leutkirch in vielerlei Hinsicht attraktiver zu machen. Wir müssen nicht andere Städte kopieren, weil dies ja meist wirkt wie ein Abziehbildchen, sondern unseren Leutkircher Weg finden. In Leutkirch ist bereits Vieles vorhanden was sich sehen lassen kann, das bestätigen immer wieder Gäste und Besucher, die unvoreingenommen in unser Städtchen kommen. Dennoch gibt es viele Dinge, denen es nicht schadet, wenn sie noch besser gemacht werden.

In Leutkirch gab es vor über ein Hundert Jahren einen Verschönerungsverein. Ohne Zweifel hätte dieser Verein auch heute noch genügend Betätigungsfelder. Schon damals gab es Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung.

Was für besondere Gebäude gibt es in der Kernstadt von Leutkirch?

Besondere Gebäude, wie z.B. Schlösser, Burgen und Türme, ziehen Menschen magisch an. Isny hat ein Schloss und vielleicht bald ein Stadt-Tor aus Glas. Wangen eine Unzahl an tollen historischen Gebäuden in einer unschlagbar schönen Altstadt. Kisslegg hat ein Bürgerschloss mit Schlosspark. Ravensburg eine umfangreiche Altstadt mit dem neuen Humpisquartier bzw. Museum.Wir haben einen Bock- und einen Pulverturm – beide sind aber für die Öffentlichkeit nicht begeh- und erlebbar. Wir haben ein gotisches Haus mit dem Bock-Quartier, das dank der Heimatpflege zum Glück immer mehr zum Erlebnis wird. Und wir haben ein Bahnhofsempfangsgebäude, das dank seines architektonischen, künstlerischen und städtebaulichen Stellenwertes von denkmalschützerischer Seite aus einen sehr hohen Stellenwert genießt.

Neben der Tatsache, dass besondere Gebäude Menschen magisch anziehen, ist es auch oft so, dass Gebäude einen gewissen Bürgerstolz verkörpern. Auf ein historisches Bahnhofsgebäude, das von Bürgerhand saniert und finanziert wurde, könnten wir alle mit Stolz verweisen.

Warum ist den Initiatoren des Bürgerbahnhofs eine Nutzung des Erdgeschosses mit einer Gastronomie so wichtig?

Ein Bahnhof bedeutet immer ein Kommen und ein Gehen. Ein Bahnhof ist oft Start und Zielpunkt eines Ausflugs oder einer Reise, egal ob mit dem Zug, dem Bus, dem PKW oder dem Fahrrad. Ein Bahnhof ist ein Ort der Kommunikation. Der Leutkircher Bahnhof ist, wie vielfach gepriesen, ein besonderer Bahnhof. Er ist zu großen Teilen original erhalten. Er ist architektonisch und künstlerisch wertvoll und steht an der Spitze aller Bahnhöfe der ehemaligen Allgäubahn. Es ist ein Stadtbild prägendes Gebäude. Die Nutzung als Gastronomie ermöglicht es fast allen Menschen – egal ob jung oder alt, ob Einheimischer oder Urlauber, ob Schüler oder Geschäftsmann, ob Leutkircher oder Nachbarstädter, dieses für Leutkirch einmalige Gebäude zu erleben und dadurch zu beleben.

Dank der Geschichte des Leutkircher Bahnhofs muss für die geplante Gastronomie keine Themenwelt erfunden werden, wie dies heute oft der Trend ist bei sogenannten Erlebnisgastronomien. Der Leutkircher Bahnhof braucht kein aufgepfropftes Konzept, keine erfundenen Erlebniswelten und keine Stuckornamente oder Marmorsäulen aus Styropor oder Plastik. Dieses Erdgeschoss mit seinen rissigen Stuckornamenten, seinen angerosteten Gusssäulen, seinen ausgelatschten Parkettböden und seinen über vier Meter hohen Hallen ist ein Erlebnis für sich. In diesen Räumen kann man die über 100 jährige Bahngeschichte der Allgäubahn regelrecht riechen.

Das mit viel Liebe und Gründlichkeit verfasste Buch "125 Jahre Bahnhof Leutkirch" von Michael Mayer, ist ein hervorragender Fundus für die Wiederbelebung des Bahnhofempfangsgebäudes und seinem Umfeld. Michael Mayer hat unzählige Geschichten, Informationen, Fakten und Artefakte zum Leutkircher Bahnhof zusammengetragen. Unter anderem die original Speisekarte von der Eröffnungsfeier des Bahnhofs. Stellen sie sich vor, dass es bei der geplanten Wiedereröffnung der Bahnhofsrestauration im Frühjahr 2012 genau diese Speisen der über einhundert Jahre alten Speisekarte erneut gibt.

Schadet die Belebung des Bahnhofsgebäudes der Innenstadt und der Gastronomie?

Zu allererst muss festgestellt werden, dass diese Frage nur aufkommen kann, weil sich der größte Teil der Öffentlichkeit sicher ist, dass der Bürgerbahnhof viele Menschen anziehen wird. Diese Tatsache an sich ist schon erfreulich. In zweiter Linie stellt sich dann die Frage, in welcher Form es der Innenstadt schadet und in welcher Weise es der Innenstadt zugute kommt? Im Bahnhofsgebäude sind keine Innenstadt relevanten Sortimente vorgesehen und auch nicht sinnvoll.

Die Gastronomie im Bahnhof wird neben den Leutkirchern ganz bestimmt auch viele Gäste und Besucher von auswärts anlocken. Unsere etablierte Gastronomie in Leutkirch leidet augenscheinlich, bis auf wenige Ausnahmen, an der Tatsache, dass wir sehr wenige Gäste von außerhalb nach Leutkirch kommen. In der Regel kehren nur wenige Isnyer, Wangener, Wurzacher, Kisslegger usw. in Leutkirch ein. Im Gegenzug trifft man aber z.B. im Moritz in Wangen viele Leutkircher. Es entspricht heute durchaus dem Zeitgeist, dass man speziell am Abend nicht in einer Gastronomie verbleibt, sondern die Lokalität wechselt. Ferner ist die Tatsache, dass Konkurrenz das Geschäft beflügelt, nicht von der Hand zu weisen. Wie in jeder anderen Stadt oder auch in jeder anderen Branche, so gibt es auch in Leutkirch den einen oder anderen Gastronomiebetrieb, der sein Angebot und seinen Service noch ausweiten kann. Konkurrenz muss nicht immer als Bedrohung angesehen werden – Konkurrenz kann auch als Chance zur Verbesserung und zur Veränderung begriffen werden.

Der Trend hinaus aufs Land hat auch in Leutkirch in den letzten Jahren zu vielen neuen Gastronomien geführt. Alleine auf der Strecke Leutkirch bis Friesenhofen sind zwei weitere schöne Gasthöfe mit Biergärten entstanden, die auch Gäste aus der Kernstadt herauslocken. In 2012 entsteht in Urlau direkt im Ortszentrum an der Kirche ein weiterer Gasthof mit Biergarten. In Engelboldshofen ist in einem landwirtschaftlichen Anwesen eine funktionierende Gastronomie entstanden. In Winterstetten ist dieses Jahr eine Gastronomie direkt an der Ortsdurchfahrt eröffnet worden. In Niederhofen wurde auf einem im Grünen gelegenen Anwesen eine Brotzeitstube etabliert. Jetzt ist es an der Zeit, dass in der Kernstadt wieder mal eine gut bürgerliche Gaststätte hinzu kommt um die Leute vom Land in die Stadt zu locken. Schließlich hat in der Kernstadt zuletzt die ehemalige Brauereiwirtschaft Strauss, die für ihre gut bürgerliche deutsche Küche bekannt war aus familiären Gründen geschlossen. 

Die Gastronomie ist stets im Wandel. Gasthöfe, Cafés, Bars und Restaurants entstehen, ein paar Erfolgreiche setzen sich durch, andere widerum müssen wieder schließen. Manche aus betriebswirtschaftlichen Gründen, andere weil keine Nachfolger gefunden werden. Grundsätzlich ist jede Eröffnung eines Unternehmens in der Region Leutkirch eine Chance für Leutkirch. Keine Gemeinde, die sich nicht bemüht neue Unternehmen anzusiedeln oder Existenzgründer animiert sich selbständig zu machen. Diese Motivation sollte auch für die Gastronomie gelten. Jeder Arbeitsplatz egal ob in einem Industrieunternehmen oder einem Gastronomiebetrieb ist eine Chance. Es ist schwer verständlich, wenn neue Arbeitsplätze im Gastronomiebereich nicht willkommen sind.

Ohne Frage wird eine Gastronomie im Bürgerbahnhof speziell in der Startphase eine Konkurrenzsituation für andere Gastronomiebetriebe bedeuten. Am Ende entscheiden die Bürger welche gastronoischen Angebote sie bevorzugen. Wenn die Gastronomie im Bürgerbahnhof keinen guten Job macht, werden dies die Gäste mit dem Wegbleiben bestrafen.

Wie kommt es zur Namensgebung „Bürgerbahnhof“?

Die von uns angestrebte Gastronomienutzung im Erdgeschoss soll den Bürgern die Möglichkeit geben ihren Bahnhof zu nutzen. Das nachträglich im Dachgeschoss geplante Informationszentrum "Nachhaltige Stadt" wird mit seinem Angebot und dem Vortragssaal ebenfalls für viele Bürger ein neuer Anzugspunkt werden.

Die Tatsache, dass die Bürger sich mit Geldeinlagen am Kauf und der Sanierung des Bahnhofes beteiligen, macht deutlich, dass es im Wesentlichen ein Bahnhof von Leutkircher Bürgern für Leutkircher Bürger ist.

Die Bürgerbahnhof Genossenschaft möchte bis zu 1000 Anteile à 1000 Euro herausgeben. Kann es sein, dass sich ein paar Leutkircher den Bahnhof unter den Nagel reißen und andere Interessenten für Genossenschaftsanteile nicht zum Zuge kommen?

Nein, die Bürgerbahnhof Genossenschaft wird mindestens eine dreistellige Anzahl an Genossenschaftsmitgliedern haben. Sollten sich nicht so viele Leutkircher finden lassen, die mithelfen wollen dem Bahnhof zu altem Glanze zu verhelfen, dann stoppen die Initiatoren das Vorhaben Bürgerbahnhof. Den Höchstbetrag, den eine Einzelperson oder ein Unternehmen zeichnen kann, wird bei 50 Anteilen liegen. Egal, wie viele Anteile eine Person zeichnet – jedes Mitglied hat in der Generalversammlung nur eine Stimme.

Ferner werden bei der ersten Zeichnungsrunde der Genossenschaftsanteile, die bis Mitte September 2010 geht, erst alle Interessenten mit kleineren Stückelungen berücksichtigt und erst danach werden Interessenten mit größeren Stückelungen bedient. Sprich: Im Idealfall würden 1000 Interessenten jeweils einen Anteil zeichnen. Dies ist angesichts der Einwohnerzahl von Leutkirch sicher unrealistisch, deswegen hoffen die Initiatoren, dass sich viele Bürger und Unternehmen finden, die mehr als einen Anteil am Leutkircher Bürgerbahnhof zeichnen. Als Mindestziel haben sich die Initiatoren vor der eigentlichen Gründung der Genossenschaft ca. 500 - 600 Anteile in Form von unterzeichneten Absichtserklärungen gesetzt.

Wer kann Mitglied bei der „Leutkircher Bürgerbahnhof Genossenschaft“ werden?

Wir wollen es ähnlich handhaben wie die Energiegenossenschaft Leutkirch. Vorrangig sollen sich Bürger und Unternehmen aus der Region Leutkirch angesprochen fühlen. Ferner Interessierte, die in irgendeiner Art und Weise einen Bezug zu Leutkirch haben. Sprich: In Frage kommen Personen, die in Leutkirch geboren sind, in Leutkirch gewohnt haben, regelmäßig in Leutkirch zu Besuch sind, Geschäftsbeziehungen zu Leutkirch haben, in Leutkirch arbeiten, usw. Die letztendliche Entscheidung darüber, wer in der Genossenschaft aufgenommen wird, fällt laut Satzung ohnehin die Vorstandschaft. Die Angst, dass ein reicher Mann aus „Musterstadt xy" mit einer Beteiligung an der Genossenschaft Macht und Einfluss gewinnen könnte, ist aufgrund der Tatsache, dass jedes Mitglied unabhängig von der Höhe der Beteiligung nur eine Stimme hat, ausgeschlossen. Dank der Tatsache, dass die Vorstandschaft über jeden Beitritt gesondert entscheidet, sind jegliche Ängste die Genossenschaft könnte plötzlich in Händen von Unbekannten sein unbegründet.

Was passiert wenn ein Anteilseigner, aus welchen Gründen auch immer, seinen Genossenschaftsanteil nicht mehr haben will? Bekommt er dann sein Geld zurück?

Selbstverständlich bekommt ein Anteilseigner auf Wunsch sein Geld zurück. Damit die Genossenschaft genug Zeit hat, sich auf das Ausscheiden des Anteilseigners einzustellen, wird in der Satzung eine Kündigungsfrist von einem Jahr vereinbart. Ein Anteilseigener kann aber auch seinen Anteil an eine andere Person übertragen.

Habe ich als Mitglied der Bürgerbahnhof-Genossenschaft irgendwelche Vorteile?

Bürgerstolz
Zuallererst kann jedes Genossenschaftsmitglied darauf stolz sein bei der Sanierung und Sicherung des Leutkircher Bahnhofempfangsgebäudes beteiligt gewesen zu sein. Ferner kann er nach der Sanierung mit Fug und Recht behaupten, dass ein Stück des Bahnhofs ihm gehört.

Dividende
Aufgrund der Tatsache, dass die Beteiligung am Bahnhof keine Spende darstellt – sondern eine Beteiligung, erhalten die Mitglieder bei positivem Geschäftsverlauf eine Dividendenzahlung. Bei den im Moment vorliegenden belastbaren Zahlen wird eine durchschnittliche Rendite von ca. 2 % * realistisch sein. Diese Dividende wird jeweils nach der Jahreshauptversammlung auf das Bankkonto des Mitglieds überwiesen. Außer der Dividendenzahlung veranstaltet die Genossenschaft zwei Mal im Jahr ein exklusives Event für die Mitglieder der Bürgerbahnhof-Genossenschaft. Der momentan favorisierte Gastronom prüft, ob er den Anteilseignern in irgendeiner Form von Vergünstigungen im gastronomischen Angebot entgegenkommen kann.

Namentliche Nennung
Alle Gründungsmitglieder der Genossenschaft und die am Bau beteiligten Handwerker und Dienstleister sollen namentlich auf einer Glas- oder Steintafel im Bahnhofsgebäude erwähnt werden. Bei der Finanzierung des Flügels für die Festhalle wurde dies in Leutkirch bereits erfolgreich in ähnlicher Art und Weise praktiziert. Ein weiteres gutes Beispiel findet sich im Konzerthaus Ravensburg. Dort sind auf Marmortafeln noch heute die Gönner und Handwerksfirmen von der Erbauung um 1890 verewigt.

* Eine Verzinsung des Genossenschaftsanteils kann grundsätzlich nicht garantiert werden. In jeder Gesellschaftsform und jedem Geschäftsbetrieb kann es zu wirtschaftlichen Verwerfungen kommen, können erhoffte und prognostizierte Einnahmen und Ausgaben in der Realität im Missverhältnis zueinander abweichen. Derzeit wird ein Wirtschaftsplan aufgestellt, der die momentan zu grundeliegenden finanziellen Eckdaten berücksichtigt. Würden die momentan überschlägig gefertigten Kalkulationen Wirklichkeit werden, dann scheint eine nachhaltige Dividende von ca. 2% realistisch. Bevor jeder Interessent einen verbindlichen Beitritt zur Genossenschaft anfang Oktober unterzeichnet wird der Wirtschaftsplan mit seriös ermittelten Eckdaten hinterfüttert sein.

Wer hat bei der Bürgerbahnhof Genossenschaft das Sagen?

Zuallererst hat bei einer Genossenschaft jedes Mitglied die gleichen Rechte. Wie bei jeder Genossenschaft wird von allen Anteilseignern in demokratischer Wahl ein Aufsichtsratsgremium aus der Mitte der Mitglieder heraus gewählt. Diese jeweils auf drei Jahre gewählten Aufsichtsräte bestellen einen zweiköpfigen Vorstand. Der Vorstand führt die Amtsgeschäfte und berichtet regelmäßig dem Aufsichtsrat. Aufsichtsrat und Vorstand berichten bei der Jahreshauptversammlung oder bei außerordentlichen Hauptversammlungen den Mitgliedern. Aufsichtsräte und Vorstände versehen ihre Ämter im Ehrenamt. Sie können eine Aufwandsentschädigung erhalten.

Die Arbeit der ehrenamtlichen Aufsichtsräte und ehrenamtlichen Vorstände wird jedes Jahr von externer Seite durch den Genossenschaftsverband geprüft.

Die Wahl zum Aufsichtsrat kann erst am Abend der Gründungsversammlung stattfinden. Die Aufsichtsräte werden in demokratischer Wahl aus der Mitte der beigetretenen Gründungsmitglieder heraus gewählt. Bis dato sind keine Personen in Erscheinung getreten, die sich um ein Mandat als Aufsichtsräte ins Gespräch gebracht haben.

Wie realistisch ist die Vermiet- und Verpachtbarkeit des Bahnhofsgebäudes?

Der Knackpunkt bei der wirtschaftlichen Betreibung des Bahnhofgebäudes ist ohne Zweifel die Gastronomie. Die Initiatoren verhandeln seit mehreren Wochen intensiv mit dem Erfolgsgastronom Eberhard (Ebo) Riedmüller aus Ulm. Riedmüller ist seit über drei Jahrzehnten in der Gastronomie etabliert. Der 58 Jahre alte Vollblut-Gastronom führt zusammen mit seinen Neffen mehrere sehr erfolgreiche Gastronomiebetriebe in Ulm, Neu-Ulm, Erbach und Heilbronn. Unter anderem ist er auch Hauptbetreiber der Barfüsser-Wirtshausbrauereien. Riedmüller ist Mitglied der IHK-Vollversammlung Ulm und 1. Vorsitzender des Citymarketingvereins Ulm. Derzeit plant der Gastro-Macher weitere Gastronomiebetriebe in Süddeutschland, unter anderem in Memmingen.

Es gibt wenige familiengeführte Gastronomieunternehmen dieser Größe, die auf eine solche Erfolgsgeschichte zurückblicken können, wie Eberhard Riedmüller dies seit vielen Jahren kann. Wie Riedmüller selbst zugibt, hat auch er in jungen Jahren sehr viel Lehrgeld in der Gastronomie bezahlt. Aber seit über einem Jahrzehnt erweckt er selbst die heruntergekommensten Wirtshäuser wieder zu neuem Leben.

Sollten die Verhandlungen mit Eberhard Riedmüller erfolgreich abgeschlossen werden können, dann haben wir einen Betreiber mit bestem Leumund für die Gastronomie im Bahnhof gefunden. Eberhard Riedmüller würde mehrere Hunderttausend Euro in die Einrichtung und Ausstattung der Wirtshausbrauerei investieren, was ein Hinweis darauf ist, dass er sein Engagement in Leutkirch nicht kurzfristig sieht, sondern es auf viele Jahre plant.

NACHTRAG vom 15.12.2010: Die Vertragsunterzeichung mit der Barfüsser Allgäu GmbH hat stattgefunden. Das UG und EG sind auf 10 Jahre + Option verpachtet.

Das Obergeschoss ist hervorragend für Büroräume von Berufsfeldern geeignet, die das historische Ambiente des Bahnhofs schätzen. Denkbar sind Architekten, Journalisten, Texter, Designer, Fotografen, Planer, Künstler, usw. Ferner könnten die Räumlichkeiten auch für schulische Zwecke Verwendung finden. Maßgabe ist eine wirtschaftliche Verpachtung zu marktüblichen Konditionen.

NACHTRAG vom 01.09.2011: Nach einem dreiviertel Jahr konnte endlich der große Teil der Bürofläche im 1. OG vermietet werden. Bis dato haben eine Werbeagentur, eine Kommunikationsagentur, ein Produkt-Design-Büro und eine Juristin einen Mietvertrag unterschrieben. Derzeit ist noch ein Raum mit rund 32 QM zur Vermietung offen.

Im Dachgeschoss sind aufgrund der Tatsache, dass es keine Balkone gibt und die Wohnungsgrundrisse sehr speziell sind vier bis fünf Wohnungen für junges Wohnen möglich. Junge Mieter schätzen oft solche ungewöhnlichen Wohnugsgrundrisse und haben keine Problem, dass es keinen Aufzug im Haus gibt. Ferner wären auch weitere Büro- oder Schulräume (wie z.B. Kunstschule oder Musikschule) als Alternative denkbar. Eine nachhaltige Vermietbarkeit als Büro- und/oder Wohnungen ist nach Rücksprache mit Immobilienfachleuten aufgrund der langen Vorlaufzeit von über einem Jahr und der Tatsache, dass es sich zwar um sehr spezielle, dafür aber sehr schöne und außergewöhnliche Räumlichkeiten handelt, kein Problem.

NACHTRAG vom 10.08.2011: Nach dem die Kunstschule Anfang Juli 2011 endgültig eine Anmietung des DG abgesagt hat, wurde Mitte Juli die Idee geboren im Rahmen des Projekts "Die nachhaltigen Stadt" ein Informationszentrum im DG zu etablieren. Im Moment haben gut ein Dutzend namhafter Unternehmen zugesagt sich im Informationszentrum zu präsentieren.

FAZIT: Der Bürgerbahnhof mit rund 1600 Euro Nutzfläche ist bis auf eine Fläche von rund 33 Quadratmeter bereits ein paar Monate vor Sanierungsende erfolgreich vermietet.

Welche finanziellen Belastungen kommen auf den städtischen Haushalt nach der Eröffnung des Bürgerbahnhofs zu?

Die Stadt Leutkirch und das Land Baden-Württemberg beteiligt sich laut Gemeinderatsbeschluss an der Sanierung des Bahnhofsempfangsgebäudes mit einem verlorenen Zuschuss von max. 50 % der Sanierungskosten. Entsprechend der letztendlichen Baukostenhöhe und den eventuellen Zuschüssen von Stiftungen und dem Landesdenkmalamt, beteiligt sich die Stadt mit einer derzeit prognostizierten Fördersumme von 580.000 bis 680.000 Euro am Erhalt des wichtigen denkmalgeschützten Bahnhofempfangsgebäudes.

Nach diesem Zuschuss, der einmalig fließt, kommen auf die Stadt keine Belastungen mehr zu. Die Stadt hat ab diesem Zeitpunkt den Vorteil, dass sie das Bahnhofsempfangsgebäude nicht mehr unterhalten muss. Es fallen keine Ausgaben für Reparaturen, Hausmeister, Versicherungen, Verwaltung usw. mehr an. Im Gegenteil: Die Stadt bekommt von der Bürgerbahnhof Genossenschaft je nach Größe des Grundstücks jedes Jahr 10.000 Euro an Erbpachtzins auf das städtische Bankkonto bezahlt.

Ferner erzielt die Stadt und die öffentliche Hand dank des Bürgerbahnhofs in Zukunft zusätzliche Steuereinnahmen. Erstens Steuern von der Bürgerbahnhof Genossenschaft (Gewerbesteuer und Körperschaftssteuer) und zweitens über kurz oder lang auch Gewerbesteuereinnahmen vom Gastronomiebetrieb und den anderen gewerblichen Mietern. Ferner entstehen in der Gastronomie mehr als 30 neue Teil- und Vollzeitarbeitsstellen, was rechnerisch in Summe ca. 10-12 Vollzeitarbeitsstellen bedeutet.

Unterstützt die Stadt Leutkirch und das Land Baden-Württemberg mit den Sanierungszuschüssen aus den öffentlichen Kassen den Reichtum von Privatbürgern oder Unternehmen, die sich am Bürgerbahnhof als Genossenschaftsmitglieder beteiligen?

Ganz gewiss nicht. Landessanierungsprogramme werden stets unter der Maßgabe ins Leben gerufen, im Sinne des Landes und der jeweiligen Kommune ein Stadtquartier wieder auf Vordermann zu bringen. So auch beim Sanierungsgebiet Bahnhofsviertel Leutkirch. Die Zuschüsse der öffentlichen Hand sollen Bürger und Unternehmer dazu animieren, Geld in sanierungsbedürftige Objekte zu investieren, damit diese Objekte wieder fit für die Zukunft gemacht werden. So auch beim Bahnhofsgebäude. Aufgrund des jahrzehntelangen Sanierungsstaus ist es nahezu unmöglich, das Gebäude ohne Zuschüsse betriebswirtschaftlich zu sanieren und für die Zukunft zu erhalten. Die Deutsche Bahn hat am Bahnhofsempfangsgebäude von 1960 - 1998 keine werterhaltenden Maßnahmen vorgenommen. Die Stadt Leutkirch konnte als neuer Eigentümer seit 1998 bis heute aufgrund der anhaltend angespannten städtischen Finanzen ebenfalls keine werterhaltenden Investitionen am Bahnhofsgebäude tätigen.

Bei einer prognostizierten Dividende von ca. 3 % pro Jahr* je Genossenschaftsanteil kann aus Sicht der Initiatoren nicht von Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit gesprochen werden. Motivationsgrund, sich an der Bürgerbahnhof-Genossenschaft zu beteiligen, ist für die allermeisten Bürger und Unternehmer bestimmt nicht der Rendite-Gedanke oder die Hoffnung, sich auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern. Im Vordergrund steht die Motivation, das historisch wertvolle Bahnhofsgebäude durch eine Vollsanierung für die Zukunft zu erhalten. Im Grunde genommen ist es Aufgabe der Stadt Leutkirch das Bahnhofsgebäude mit einer Vollsanierung wieder auf Vordermann zu bringen. Doch ein Gebäude zu sanieren ist die eine Sache - aber wie ein Gebäude in der Zukunft genutzt wird ist die viel zentralere Frage. Die Folgekosten von öffentlichen Gebäuden summieren sich in einem Lebenszyklus von 40 - 50 Jahren meist auf ein vielfaches der Grundinvesitionen.

Deswegen ist auf Dauer für den städtischen Haushalt von Vorteil, wenn der Bahnhof nicht von der Stadt saniert wird. Eine Vollsanierung durch die Stadt würde den städtischen Haushalt nach Abzug der Landessanierungsmittel über 1.200.000 Euro kosten. Ferner würde bei einer nicht betriebswirtschaftlichen Nutzung jährlich weitere Unterhaltskosten auf die Stadt zu kommen.

* Eine Verzinsung eines Genossenschaftsanteils kann nicht garantiert werden. In jeder Gesellschaftsform und jedem Geschäftsbetrieb kann es zu wirtschaftlichen Verwerfungen kommen, können erhoffte und prognostizierte Einnahmen und Ausgaben in der Realität im Missverhältnis zueinander abweichen. Derzeit wird ein Wirtschaftsplan aufgestellt, der die momentan zu grundeliegenden finanziellen Eckdaten berücksichtigt. Würden die momentan überschlägig gefertigten Kalkulationen Wirklichkeit werden, dann scheint eine nachhaltige Dividende von ca. 3% realistisch. Bevor jeder Interessent einen verbindlichen Beitritt zur Genossenschaft anfang Oktober unterzeichnet wird der Wirtschaftsplan mit seriös ermittelten Eckdaten hinterfüttert sein. Derzeit werden sämtliche Bau- und Baunebenkosten ermittelt.